
Hochrangiger Besuch hat sich angekündigt, Bundespräsident, ehemalige Außenminister, Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft. Doch die Augen nicht nur der vielen Zaungäste auf dem Prinzipalmarkt sind auf eine zierliche Frau gerichtet, die wie keine zweite für Mut, Aussöhnung und Verständigung steht. Margot Friedländer, Überlebende des Holocaust und unermüdliche Warnerin vor einem Wiedererstarken von Faschismus und Antisemitismus, wurde in Münster erstmals der Sonderpreis des Westfälischen Friedens verliehen.
In seiner Laudatio würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nachdrücklich das Engagement von Margot Friedländer: „Im Sommer des vergangenen Jahres waren Sie, Margot Friedländer, auf dem Cover der Vogue zu sehen. Neben Ihrer Bernsteinkette trugen Sie zwei wichtige Auszeichnungen, das Verdienstkreuz der Stadt Berlin und das Bundesverdienstkreuz. Das war kein modisches Accessoire, das war es, wofür Sie stehen“. Unterbrochen von Applaus, fuhr der Bundespräsident fort: „Große Trauer und großes Leid wurden in eine große Gabe gewandelt. Es ist die Anziehungskraft des Guten! In Demut verneigen wir uns vor Ihrem Engagement!“
Tägliche Mission
Bewundernd verweist Steinmeier auf das Engagement der 103-Jährigen, die unentwegt unterwegs ist, um gerade jungen Menschen die Grauen vor Augen zu führen, zu denen Menschen fähig sind. Dabei sei sie immer versöhnend und nie verbittert in ihrer Art, auf Menschen zuzugehen. Sie sei täglich unterwegs in ihrer Mission: „Nie wieder!“ Weiter versprach Steinmeier: „Margot Friedländer zu ehren ist das eine, aber ihre Botschaft aufzunehmen und umzusetzen, ist das andere. Wir versprechen, immer zu widersprechen, wenn andere dazu aufrufen, zu vergessen.“

„Wir sind alle gleich“
Stehender, anhaltender Applaus begleitet das Erscheinen von Margot Friedländer auf der Bühne, sichtlich gerührt nimmt sie, im Rollstuhl sitzend, den Preis entgegen, der ihr von Steinmeier und Gastgeber Dr. Reinhard Zinkann übergeben wird. „Es bedeutet mir sehr viel, diese Auszeichnung in der Stadt des Westfälischen Friedens zu erhalten. Ich spreche nicht für die sechs Millionen, die unschuldig ermordet wurden. Ich spreche für alle, die ermordet wurden, weil sie von anderen nicht als Menschen gesehen wurden. Es gibt kein christliches, kein muslimische, kein jüdisches Blut, es gibt nur menschliches Blut. Wir sind alle gleich, seid Menschen!“
„Macht schafft keinen Frieden“
Dr. Reinhard Zinkann, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, erinnert an die letzte Friedenskonferenz und resümiert: „Die Sicherheitslage in Europa hat sich inzwischen weiter verschärft, die Friedensdividende ist aufgebraucht!“ Mit Blick auf Trump mahnt er: „Europa könne sich nicht mehr an den ehemaligen engen Partner USA anlehnen. Eine friedliche, prosperierende Weltwirtschaft ist die Grundlage der Demokratie.“ Macht schaffe keinen Frieden, sondern der Dialog, ist sich Zinkann sicher.
Über Margot Friedländer
Margot Friedländer, geboren am 5. November 1921 in Berlin, ist eine deutsche Überlebende des Holocausts und engagierte Zeitzeugin. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ihre Familie von den Nationalsozialisten verfolgt, ihre Eltern wurden in Konzentrationslagern ermordet. Friedländer selbst tauchte unter, wurde jedoch 1944 gefasst und in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie bis zur Befreiung 1945 überlebte. Nach dem Krieg emigrierte sie 1946 mit ihrem Ehemann Adolf Friedländer, den sie im Lager kennengelernt und dort geheiratet hatte, in die USA. Dort lebte sie über sechs Jahrzehnte, bevor sie 2010 nach Berlin zurückkehrte, um als Zeitzeugin über ihre Erlebnisse zu sprechen und insbesondere junge Menschen über die Schrecken des Holocausts aufzuklären.
Für ihr Engagement erhielt Friedländer zahlreiche Ehrungen, darunter 2011 das Bundesverdienstkreuz und 2018 die Ehrenbürgerwürde Berlins. Der heute verliehene Sonderpreis des Westfälischen Friedens würdigt ihr unermüdliches Wirken gegen Antisemitismus und für eine lebendige Erinnerungskultur.
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