
Immer mehr junge Menschen greifen bundesweit zum Cannabis, wie aus dem Jahresbericht der städtischen Drogenhilfe hervorgeht. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Nachfrage an Beratung wider. So überstieg die so genannte Stammklientel (mindestens zwei Beratungsgespräche) erstmalig die 600-Personen-Marke.
„Eine Rekordmarke, die nochmals deutlich über dem bereits sehr hohen Niveau der Vorjahre liegt, aber auch die hohe Akzeptanz der Drogenhilfe in der münsterschen Bevölkerung widerspiegelt“, erklärt Georg Piepel, Leiter der städtischen Beratungseinrichtung an der Schorlemerstraße. Im Jahresbericht 2015 gibt die Drogenhilfe einen Überblick über die Arbeit des letzten Jahres.
Exakt 623 Münsteranerinnen und Münsteraner nutzten die Drogenberatung im vergangenen Jahr regelmäßig und nahmen durchschnittlich fünf Beratungsgespräche pro Person in Anspruch. Deren Probleme waren dabei sehr unterschiedlich, Mehrfachbelastungen die Regel. Während bei Jugendlichen eine professionelle Einschätzung des Konsums, der familiäre Umgang damit und die Unterstützung bei der Veränderung von Konsumgewohnheiten im Mittelpunkt der Beratung standen, ging es bei den Erwachsen oft um psychosoziale Begleitung, Hilfestellungen in akuten Krisensituationen, Unterstützung im Kontakt mit Behörden und Justiz und die Vermittlung in Entgiftung und stationäre Langzeitentwöhnungsmaßnahmen.
Die jüngste Drogenkonsumentin des vergangenen Jahres war erst 13 Jahre alt, der älteste Drogenabhängige 66 Jahre. Dreiviertel der Stammklientel der Drogenhilfe war allerdings jünger als 40 Jahre, ein Drittel jünger als 27 Jahre. Mit 49 Prozent waren erstmalig weniger als die Hälfte aller Ratsuchenden Heroin- oder Opiatkonsumierende, ein gutes Drittel suchte wegen ihres Cannabiskonsums Beratung und 12 Prozent nannten als Hauptdroge so genannte Stimulanzien wie Amphetamine oder auch Kokain.
Cannabis ist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach wie vor die bei weitem am häufigsten konsumierte illegale Droge. So waren 80 Prozent der unter 21-jährigen Besucher und Besucherinnen wegen ihres Cannabiskonsums in der Jugendberatung. Der systemische Beratungsansatz wurde weiterentwickelt und Eltern gezielt motiviert, gemeinsam mit ihren meist jugendlichen Kindern in die Beratung zu kommen.
Die offene Jugendsprechstunde liegt jetzt außerhalb der Schulzeiten. Um Hemmschwellen zu senken, wurde eine „Werbeoffensive“ in den Gremien der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischen Hilfen, wie auch vor Ort in den Stadtteileinrichtungen vorbereitet. Insgesamt konnten 111 Erstgespräche mit jungen Menschen unter 21 Jahren geführt werden, oft in Begleitung ihrer Eltern. „Hier ernten wir die Früchte der konzeptionellen Weiterentwicklung der Jugendsuchtberatung und intensiven Bewerbung in den letzten Jahren“, so Piepel.
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