„Her Song 2“: Mehr Musik von starken Frauen Nikola Materne, Christiane Hagedorn und Martin Scholz präsentierten im Kreativ-Haus den zweiten Teil mit Liedern und Geschichten von weiblichen Ikonen der Popmusik

Nikola Materne, Christiane Hagedorn und Martin Scholz präsentierten im Kreativ-Haus Lieder und Geschichten von weiblichen Ikonen der Popmusik. (Foto: Veronika Brühl)

Auch in der zweiten Runde funktioniert das Konzept für die Musik-Theater-Produktion „Her Song“ hervorragend. Das Publikum bei den beiden Vorstellungen im Kreativ-Haus Münster war hellauf begeistert darüber, wie Nikola Materne, Christiane Hagedorn und Martin Scholz eine ganze Reihe von Musikerinnen nicht nur mit ihren Liedern, sondern auch mit ihren Geschichten vorstellte. Der Fokus lag dabei stets darauf, wie Kate Bush, Beyoncé, Billie Eilish & Co. sich als Frauen im Musik-Business behaupten und welchen Widerständen sie begegnet sind. Oder welchen doofen Zuschreibungen durch die Journalisten ihrer jeweiligen Zeit.

Ähnlich wie im ersten Teil vor drei Jahren reiht sich auch in der Fortsetzung von „Her Song“ eine Lebensgeschichte an die andere, wobei die drei Musiker immer nur einzelne Aspekte beleuchten. Dabei nutzen sie immer wieder Aufnahmen mit den Originalstimmen, meist auf Englisch, die sie dann auf der Bühne und natürlich auf Deutsch weiter spielen. Diesmal wirkt es insgesamt aber noch harmonischer als in der ersten Ausgabe, weil es nicht immer nach dem gleichen Schema abläuft. So bemerkt man als Zuschauer mitunter erst nach einer Weile, dass das gehörte Zitat schon zur nächste Künstlerin gehört – dabei hätte es doch irgendwie auch zur vorherigen gepasst.

Das deutete sich schon zu Beginn an, wo Nikola Materne und Christiane Hagedorn viele Lieder von und über Frauen in einem Medley dargeboten haben, die mitunter wie Domino-Steine ineinander griffen, weil scheinbar ein Wort aus dem einen Lied zum nächsten inspirierte. Insgesamt wirkte es ein wenig wie eine Ouvertüre, die in die folgende Show einstimmt.

Von „Wuthering Heights“ bis „Texas Hold ‚Em“

Um die Bandbreite der verschiedenen Stimmlagen abzudecken, wechseln sich die beiden Sängerinnen oft ab. Überraschend gut gelingt es bei „Wuthering Heights“ von Kate Bush, das vor allem Christiane Hagedorn singt – wobei sie die ganz hohen Tonlagen einfach weglässt, was hier gut funktioniert. Schon fast komödiantisch fallen hier die eher angedeuteten Tanzeinlagen von Hagedorn und Materne aus, die zu einem Auftritt von Kate Bush nun mal dazugehören. Manche Lieder bekommen ein neues, leicht verjazztes Arrangement verpasst, für das Martin Scholz mit dem Piano und gelegentlich mit der Trompete sorgt.

Von Dolly Parton bis Beyoncé und von Tamara Danz bis Billie Eilish reicht das Spektrum der Musikerinnen, die „Her Song 2 – Icons“ vorgestellt werden. (Foto: Veronika Brühl)

Die Spielszenen fußen meist auf Interviews oder autobiografischen Texte. Manche Geschichten sind hinlänglich bekannt, andere für viele im Publikum neu. So hat sicher jede und jeder schon mal davon gehört, wie mies Ike Turner die von ihm entdeckte Anna Mae Bullock behandelt hat, während er aus ihr seine Ehefrau und die Bühnenfigur Tina Turner formte. Das Streitgespräch zwischen Sinéad O’Connor und Billie Eilish dagegen kannten die meisten Zuschauer wahrscheinlich nicht. Dass unter der erfolgreichen Autorin und Musikproduzentin Annette Humpe – wie sie selber sagt – möglicherweise mehr Männer leiden als umgekehrt, kann man sich vorstellen. Dass auch Dolly Parton eine erfolgreiche Songwriterin und eine toughe Geschäftsfrau ist, die sich in den 1970er Jahren von Elvis Presley und seinen Managern nicht über den Tisch ziehen ließ, wird hierzulande nicht allen präsent sein.

So regt dieser Abend dazu an, sich später noch einmal intensiver mit der einen oder anderen Musikerin zu beschäftigen, etwas mehr über ihr Leben erfahren zu wollen und auf jeden Fall ihre Lieder zu hören. Denn schließlich verlässt das begeisterte Publikum diese Veranstaltung mit einem bunten Strauß voller ansteckender Ohrwürmer. Alles in allem ist der zweite Teil von „Her Song“ noch besser gelungen, als der erste vor drei Jahren. Die nächste Gelegenheit dafür bietet sich am 15. März wieder im Kreativ-Haus, wofür es noch ein paar Restkarten gibt.

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